Wie schon 2011 können sich Polen und Russland nicht auf die bilaterale Vergabe von Genehmigungen einigen.

Langsame Entspannung im Transportgenehmigungs- und Transit-Streit zwischen Polen, der Ukraine und Russland.

Die Fronten zwischen Russland und der Ukraine verhärten sich zusehends: Nachdem am 14. Februar die russische Regierung ein generelles Fahrverbot für ukrainische LKWs verhängt hatte, zog Kiew am 15. Februar nach und untersagte im Gegenzeug den Transit von russischen Lastern auf seinem Hoheitsgebiet. Damit bleiben für russische Frächter bis auf weiteres sowohl die Routen durch Polen als auch durch die Ukraine unpassierbar. 

Internationale Medien berichten mittlerweile von einem regelrechten LKW – Krieg: Nach wie vor sitzen mehr als 100 russische Fernfahrer in verschiedenen Regionen der Ukraine fest. Über 500 LKWs aus der EU wird bereits an der Westgrenze der Ukraine die Weiterfahrt verweigert. Im Osten des Landes hält Russland etwa 150 ukrainischen LKWs auf dem Weg nach Kasachstan an.

Die prekäre Situation hatte mit dem Auslaufen des jährlich neu verhandelbaren Transport Genehmigungs abkommens zwischen Polen und Russland Ende Jänner seinen Ausgang genommen: Weil sich Moskau und Warschau über Transportgenehmigungsquoten und Regulierungen nicht einigen konnten, kam der LKW Schwerlastverkehr per 1. Feburar zum Erliegen. Schon 2011 hatten russische und polnische Transporteure wegen ähnlicher Streitigkeiten Ihre Arbeit für zwei Wochen niederlegen müssen.

Russische Frächter befuhren daraufhin Ausweichrouten über die Ukraine, was widerum nationalistische Aktivisten in der Westukraine auf den Plan rief: Am 11. Feburar wurden in einem regelrechten Coup etwa 100 russische Laster in den Gegenden von Transkarpatien, Volyn und Lviv festgesetzt. Die Aktivisten begründeten ihre Vorgehen mit einem Protest gegen die russische Annexion der Krim und forderten die Regierung in Kiew auf, dem polnischen Beispiel zu folgen.

Die ukrainische Regierung tat zwar zunächst nichts dergleichen, ging aber auch nicht besonders entschieden gegen die Aktivisten vor. Das russische Verkehrsministerium reagierte verschnupft, woraufhin die Situation auch auf hochoffizieller Ebene eskalierte, bis es ab dem 14./15. Februar zum logistischen Totalstillstand kam. Russlands Schwerlastverkehr ist damit bis auf weiteres auf einer Länge von knapp 1500 Kilometer vom europäischen Festland isoliert. Wenn russische Frächter dennoch nach Europa wollen, müssen sie Verzögerungen von bis zu einer Woche in Kauf nehmen:

Eine der wenigen momentan verfügbaren Routen führt über den litauischen Ostseehafen Klaipedia und dann weiter via Fähre nach Kiel, Rostock oder Travemünde: Die Fähren verkehren mittlerweile zwar nicht nur häufiger, sondern auch schneller (die Fahrgeschwindigkeit wurde von 15 auf 20 Knoten heraufgesetzt), dennoch kommt es schon in Litauen zu Wartezeiten von bis zu 48 Stunden. Zusätzlich müssen die Spediteure natürlich teils enorme Umwege in Kauf nehmen.

Zwar wurde mittlerweile vereinbart, dass sowohl russische als auch ukrainische LKWs bis zum 25. Februar zumindest in ihre jeweiligen Heimatländer zurückkehren dürfen, für alle anderen bleiben aber die Grenzen bis auf weiteres geschlossen.

Salzburg, 18. Februar 2016

Quelle und weitere Informationen: ASMAP RUS, ASMAP UA

Update 25.2.2016

Die angespannte Situation zwischen der Ukraine und Russland dürfte sich verbessern. Die Transportminister beider Staaten haben sich darauf geeinigt, dass den jeweiligen Frachtführern der Transit und die Durchfahrt gewährt wird.
Die Vereinbarung gilt ab 25.2.2016 00:00 Uhr.
Offen bleibt aber, wie sich die „ukrainischen Nationalisten“ verhalten werden. Die Gruppe hat Durchfahrt der Russischen LKWs blockiert.
Quelle Ukr Transportministerium, Rus Transportministerium


Update 24.2.2016:

Der Austausch der Genemigungen hat bereits stattgefunden. Die Polnischen Frächter verfügen bereits physisch über die Genehmigungen, die Russischen Frächter werden ab Fr, 26.2.2016 über die Genehmigungen verfügen. In Russland kam es auf Grund der Feiertage zu Verzögerungen.


 

Update 19.2.2016:

Die Polnisch-Russischen Verhandlungsteilnehmer haben sich im Polnisch-Russischen Konflikt auf eine vorübergehende Lösung geeinigt. Es wird vorläufig ein Kontingent an Genehmigungen ausgegeben, das bis 15. April 2016 gilt. Folgende Zuteilung wurde vereinbart:

Polen erhält:

  • 10.000 bilaterale Transport Genehmigungen
  • 10.000 Drittlands Genehmigungen

 

Russland erhält:

  • 19.500   bilaterale Transport Genehmigungen
  • 500  Drittlands Genehmigungen

Damit dürfte sich die Situation normalisieren. Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland bleibt von dieser Annäherung unberührt.

Quelle: ASMAP