»Der mit der Erstellung der Frachtbriefe und der Begleitdokumente beauftragte europäische Spediteur braucht auf jeden Fall einen erfahrenen Partner für die papiermäßige Abfertigung der Transporte vor Ort.«

Mohamed Akernane von Condor, SALZBURG, AUSTRIA

Fünf Dinge, die Sie über Transporte in den Iran wissen sollten.

Sicherheit besitzt im Iran-Verkehr die höchste Priorität. „Das wird auch in Zukunft so bleiben“, sagt Mohamed Akernane, Abteilungsleiter der Condor Speditions-, Transport GmbH & Co in Salzburg. Als zentrales Element bei allen Transporten nach Persien bezeichnet er die exakte Einhaltung der Vorschriften auf dem Gebiet der Exportkontrolle.

Das gilt auch nach der Lockerung der Sanktionen

Seit der Firmengründung im Jahr 1976 organisiert die Spedition Condor Qualitätstransporte in den Regionen Europa, Naher Osten, Baltikum, Russland und Zentralasien. Persien war von Beginn eines der Haupteinsatzgebiete des Salzburger Unternehmens. Dabei galt der Faktor Sicherheit immer schon als entscheidendes Erfolgskriterium, ein Grundsatz, der auch heute noch gleichermaßen Gültigkeit hat. Hervorgerufen durch die Wirtschaftssanktionen der internationalen Staatengemeinschaft sind die Importe in das 75 Mio. Einwohner zählende Land in Vorderasien massiv gesunken. Aber wer hier noch Geschäfte macht, der tut das im großen Stil! Frachtraten spielen dabei eine untergeordnete Rolle, was zählt ist die Qualität der Transportdienstleistung und der Dokumentenerstellung.

Nach den erfolgreich abgeschlossenen Atomgesprächen in Wien und der schrittweisen Aufhebung der Sanktionen wächst in weiten Teilen Europas die Zuversicht im Hinblick auf die Belebung der Wirtschaftsbeziehungen mit dem Iran. Vor diesem Hintergrund verfolgt Mohamed Akernane die aktuellen Entwicklungen mit Argusaugen. Der Logistik-Experte der Spedition Condor rechnet durch die schrittweise Aufhebung der gegen das Regime in Teheran verhängten Wirtschaftssanktionen mit einer spürbaren Belebung des Warenverkehrs von Europa und Asien in den Iran. Jedoch empfiehlt er den Verantwortlichen für das Supply Chain Management in den diversen Produktionsbetrieben und Handelsgesellschaften eine intensive Beschäftigung mit den Feinheiten der Exportkontrolle.

Unternehmen, die bereits entsprechende Mechanismen etwa im Umgang mit den besonders kritischen ‚Dual Use‘-Gütern implementiert haben, liegen hier im Vorteil. Wer das bisher verabsäumt hat, der hat einen langen Weg vor sich. „Die Kontrolldichte ist durch die Einführung von E-Zoll noch stärker geworden“, spricht Mohamed Akernane aus Erfahrung. Selbst versehentlich falsch deklarierte Warenexporte in den Iran sind laut seinen Aussagen gleichbedeutend mit einem Verstoß gegen das Außenhandelsgesetz. Abgesehen von den strafrechtlichen Folgen kann das in einem PR-Problem münden. Es droht die Gefahr der Abstempelung als „Embargo-Brecher“.

Bleibt als weitere gravierende Herausforderung die Klärung der Fragen im Zusammenhang mit der Gestaltung der Zahlungsmodalitäten und der Zahlungsabsicherung. Die meisten europäischen Banken verweigern Geldüberweisungen in den Iran und retour. Für sie spielt es keine Rolle, ob ein Warentransport zulässig ist oder nicht. Davon abgesehen gibt es einen gewaltigen administrativen und dokumentarischen Aufwand. Iran-Exporte sind größtenteils mit Akkreditiven unterlegt, und deren Abwicklung setzt schon auf den einfacheren Länderrelationen ein profundes Fachwissen der eingebundenen Personen voraus.

„Exportkontrollen erledigt man nicht im Vorbeigehen“, betont Mohamed Akernane ausdrücklich. Nach seiner Einschätzung der Sachlage müssen „Neueinsteiger“ im Iran-Geschäft je nach Ausbildungsgrad der Mitarbeitenden eine Vorbereitungszeit von zwei bis vier Monaten einplanen. Es gibt streng gefasste Vorschriften hinsichtlich der Personen- und Warenprüfungen sowie bei der Festlegung der Einsatzwege. Deren korrekte Umsetzung erfordert den Einsatz von erfahrenen Technikern, Juristen und Vertriebsprofis. Diese Spezialisten haben schon bei der Abwicklung der Exporte von Waren außerhalb der Genehmigungspflicht alle Hände voll zu tun – ganz zu schweigen von den wirklich heiklen Sendungen.

Bei der physischen Abwicklung der Iran-Transporte geben die türkischen Frachtführer den Ton an. „Unabhängig davon braucht der mit der Erstellung der Frachtbriefe und der Begleitdokumente beauftragte europäische Spediteur auf jeden Fall einen erfahrenen Partner für die papiermäßige Abfertigung der Transporte vor Ort beziehungsweise für die Einfuhrabfertigung im iranischen Zolllager“, betont Mohamed Akernane. Jeden anderen Modellansatz bezeichnet der Abteilungsleiter  der Condor Spedition als hochriskante Vorgehensweise, von der er nur dringend abraten könne. Wer diesen Tipp in den Wind schlägt, riskiert – wie bereits erwähnt – einen Konflikt mit dem Außenhandelsgesetz.